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Buchvorstellung - The Icecreamists

Schon wieder eine Buchvorstellung hier, aber jetzt war ja wenigstens ein bißchen Sonnenschein, deshalb muß das jetzt einfach sein.

Dieses Jahr ist beim Fackelträger Verlag ein sehr ungewöhnliches Eisbuch erschienen. Es steht im krassen Gegensatz zu sämtlichen von mir mal durchgeblätterten oder gelesenen Eisbüchern. Keine Sommer-Sonne-Eisbecher-Bilder in sanften,pastelligen Farben. Sondern ein richtig cooles Buch von einem coolen Typen - Eiscreme für die richtig harten Jungs (wer würde sonst Eis in schwarzen Eiswaffeln oder Totenkopfgläsern servieren?). Layout und Design sind sehr außergewöhnlich (und auch ein bißchen Geschmackssache), genau wie der Autor - allerdings ganz im Stil, wie es die Eisdielen auch sind.



Matt O`Connor ist Mitgründer der Icecreamists und nennt deshalb auch sein Buch so -  "The Icecreamists -Exklusive Eiscreme und andere Laster".
In der (hoffentlich) wohl nicht ganz ernst gemeinten Einführung lernt man ihn und seinen Weg zum Icecreamist etwas genauer kennen. Als ehemaliger politischer Aktivist (er gründete eine Vaterrechtsorganisation) mit Hang zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen, die wohl auch ab und zu mit Festnahmen endeten, verlegte er seine überschüssige Energie auf eine neue Mission: Die Befreiung der Welt durch Eiscreme. Dafür lernte er die Herstellung von italienischer Eiscreme von der Picke auf, fügte seinen Hang zu provozierenden und aufsehenerrregenden Aktionen dazu (hat jemand von Euch schon mal Muttermilcheis hergestellt?) und machte so die Icecreamists zu einer der bekanntesten Eisdielen in GB.

Aber jetzt endlich mal zum Buch. Es ist in folgende Kapitelstruktur aufgeteilt:
  • Einführung
  • Boutique- Eiscreme
  • Sorbetti
  • Cocktails
  • Eisbeben, Eisbecher & Desserts
  • Eislollies
In der Einführung stellt Matt O`Connor sich und die Icecreamists vor (siehe oben). Aber es folgen auch Hinweise zur Verwendung des Buchs, die Grundlagen (Alchemie) der Eisherstellung und was sonst noch zu beachten ist (Die zehn Gebote der Kühle). Dahinter verbergen sich Tipps wie (etwas umformuliert)  "Das Eis am besten frisch verzehren und dazu rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen."


Dann folgt mit den "Boutiqueeiscremes" das erste Rezeptekapitel. Hierbei handelt es sich im Prinzip um traditionelles italienisches Gelati mit jeweils einem besonderen "Twist" o.ä..
Deshalb ist die Grundmischung aus Vollmilch, Creme Double, Ei und Zucker auch immer die Selbe, jeweils noch mit geschmacksgebenden Zutaten oder anderen Extras wie z.B. pürierten Donuts oder stimulierenden Reagenzien vermischt. Deshalb sind einige Sorten eher süß, da in der geschmacksgebenden Zutat noch Zucker drin ist, andere wie "dunkle Schokolade" eher herb, da eben nur noch Kakao und 70%ige Schokolade zugegeben wird.
Jede Eiscreme bekommt einen ausgefallenen Namen und eine einleitende Anekdote, am Ende des Rezepts folgt im "Nachschlag" eine kurze Geschmacksbeschreibung und noch Querverweise, wo diese Eiscreme noch verwendet wird (inkl. Seitenzahl - sehr praktisch).

Die Rezepte sind noch in Untergruppen wie "Klassiker - leicht verdreht", "Schurken und Exzentriker" oder "Sündige Verführungen" eingeteilt. Der Titel ist Programm - es finden sich hier Vanilleeis, Dulce de Leche-eis, aber auch so ungewöhnliche Sorten wie Lakritzeis oder Popcorn-Eiscreme.


Das Rezeptelayout der Sorbetti (und auch der restlichen Rezepte im Buch) ist gleich aufgebaut.
Basis des Sorbettis selbst ist hier allerdings ein Zucker-Wassersirup. Auch hier finden sich Klassiker (Zitrone, Holunderblüte)und verfeinerte Sorbetti ( Guave, Glüh- und Portwein,...oft mit einem Schluck Alkohol).

Alkoholisch geht es auch im Kapitel Cocktails weiter. Sie basieren auf den zuvor hergestellten Eiscremes, in Kombination mit Spirituosen und teilweise anderen Zutaten serviert. Hier kann man dann bei Erwachsenen Eindruck schinden, vor allem, wenn das ganze dann noch flambiert oder mit Baiser überbacken wird. Ich habe vor allem die erfindungsreichen Namen der Cocktails beeindruckend gefunden ;-)


Etwas familiengerechter geht es wieder in den abschliessenden beiden Kapiteln Eisbeben, Eisbecher & Desserts sowie Eislollies zu. Hinter Eisbeben verbergen sich Rezepte für Milchshakes mit Eis, bei den Desserts handelt es sich z.B. um Eissandwiches, fritiertes Eis (liest sich sehr spannend, das wird garantiert nochmal nachgemacht) oder Schokofondue mit Eis. Mit Eislollies auf Basis von Roséchampagner könnte ich unsere Turnmädels begeistern.

Bisher nachgemacht habe ich folgende Rezepte:
Las Vegas - Eiscreme mit dunkler Schokolade. Hat auf die Art leider gar nicht funktioniert, obwohl ich mich genau ans Rezept gehalten habe (vielleicht ist aber statt reinem Kakaopulver Kabapulver gemeint?). Die Eiscremebasis hatte die Konsistenz eine Buttercreme und ließ sich erst nach Verdünnen mit Milch in der Eismaschine rühren. Geschmacklich seeeeehr herb und schokoladig, Konsistenz nach 4 h im TK sehr fest.
Chocland Yard - Eiscreme mit Haselnussschokolade. Die war dafür ein echter Knaller, Konsistenz im TK auch am nächsten Tag wie frisch aus der Eisdiele und geschmacklich auch sehr gut

Ein halbwegs gut ausgestatteter Haushalt kann die meisten Rezepte ohne Probleme nachmachen, vor allem wenn er ein gut sortiertes Barfach (gibt es das überhaupt noch?) hat. Nur einige Zutaten sind nicht im Supermarkt zu bekommen, was aber über das Internet auch kein großes Problem darstellt. 
Mir haben es vor allem die ausgefalleren Sorten angetan, von denen ich sicher noch einige ausprobieren werde. Die nächste Eissorte schon in Planung (Es geht dann ins "Schlaraffenland" mit einer Apfel-Zimt-eiscreme)
Leider ist kein Rezept für die schwarzen Eiswaffeln drin (werden aber bestimmt mit Sepiatinte eingefärbt o.ä.). Wenn man, wie ich, ein Kochbuch komplett liest, ist dieses hier schon manchmal ein bißchen anstrengend  und für mich stellte sich ab und zu schon die Frage:
Hat der wirklich einen an der (Eis-)Waffel oder tut der nur so?


Falls jemand Interesse an einem ausgeflippten und ausgefallenen Eisbuch hat:

Matt O`Connor
The Icecreamists- Exklusive Eiscreme und andere Laster
Edition Fackelträger
ISBN: 978-3-7716-4526-7

Und wie ist Eure Meinung zu dem Buch? Darauf bin ich auf jeden Fall sehr gespannt.

Ein Grüßle aus meiner süßen Werkstatt


Kommentare:

  1. Guten Morgen :-)

    Ich hab mir das Buch auch zugelegt und das erste Eis ist auch zubereitet. Nur frag ich mich jedesmal, was ich anstelle von Creme double (bekommt man hier nicht so leicht) verwenden kann. Hast Du da einen Tipp?

    Viele Grüße,
    Nele

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  2. Hallo Nele,
    mir scheint, Du bist auch Frühaufsteherin ;-)
    Für die Tests habe ich mich mal genau dran gehalten. Aber auch bei uns gibt es so gut wie nirgends Creme double (und dann ist sie auch noch, wie ich finde, ziemlich teuer). Eigentlich geht es dabei ja nur um den Fettgehalt, deshalb habe ich für mich selbst mal beschlossen, beim nächsten Rezept 50 ml mehr Sahne und die gleiche Menge weniger Milch zu nehmen (ich bin mal gespannt, ob sich damit überhaupt sehr viel ändert). Bei anderen Rezepten habe ich teilweise schon 1/3 der Creme double- Menge mit Mascarpone ersetzt und die restlichen 2/3 in Form von Sahne unter die Mascarpone gerührt. Das hat bisher bei mir ganz gut geklappt.

    Liebe Grüße,
    Barbara

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  3. Ich glaub da könnte ich glatt schwach werden. Klingt teilweise sehr abgefahren. Genau mein Ding ;)

    Vielen Dank für die Vorstellung!

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  4. Gute Idee Barbara mit der Double Creme. Da bei uns in Österreich die Sahne nicht nur 36 % hat sondern auch Carrageenfrei ist, kann ich hier einfach von zwei Packungen nur die obere Hälfte nehmen. Da hat sich dann nach zwei Tagen schon die Sahne oben abgesetzt und ist sehr dick. Etwas Mascarpone zumischen wäre auch noch so eine andere Idee.

    Klingt nach einem ziemlich ausgefallenen Buch. Ich bin schon sehr gespannt auf eines der Eisrezepte. Eiscreme mit Schokolade ist schon sehr super, da Schokolade die Emulgatoren enthält, die wir fürs Eis brauchen. Mit einen Supermixer wird dann alles noch so schön cremig und der Betoneffekt verzögert sich erheblich.

    Liebe Grüße
    Anna

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  5. Ich habe mittlerweile über zehn Eisbücher im Regal und seit kurzem auch The Icecreamists. Die Fotos darin sind wirklich herausragend und einige abgefahrene Ideen fand ich bisher in keinem anderen Buch. Mich stört jedoch das Layout extrem, weil es unübersichtlich ist und blöd finde ich, dass an der großen Überschrift die Sorte nicht zu erkennen ist und dass im Grunde die Hälfte der Seiten für Anekdoten drauf geht, die nicht bei der Herstellung vom Eis helfen.

    Ich hatte auch von Seite 56 das Orangenmarmelade-Eis probiert, aber später festgestellt, dass das mit den 50 ml Milch sicher ein Druckfehler ist, da auf allen anderen Seiten eher von 250 ml die Rede ist.

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  6. Hallo Robert,
    danke für deine Antwort. Ich finde solche Anekdoten eigentlich ganz nett (wenn man es nicht zu sehr übertreibt, was hier schon manchmal der Fall ist).
    Das mit den Druckfehlern oder überhaupt Fehlern im Rezept (Zutaten tauchen nicht mehr auf,..) ist ein sehr ärgerliches Problem, daß ich in letzter Zeit aber schon öfters auch bei eigentlich ziemlich teuren Büchern festgestellt habe. Hier drin habe ich auch noch ein paar kleinere Fehler gefunden (beim Popcorneis fehlt z.B. die Menge an Popcorn, die man verwenden soll).

    Trotzdem noch viel Spaß mit diesem Buch!

    Liebe Grüße,
    Barbara

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  7. Ich hab das Buch heute geschenkt bekommen und mich gleich drin festgelesen- auch wenn man nie ein Eis draus zubereiten wird betrachte ich das Buch als Gewinn, zu schön und zu verrückt. Über ein paar Fehler bin ich allerdings auch schon gestolpert, Zutaten werden zweimal zugegeben- wann denn nun jetzt wirklich? Danke für die Warnung bez des Schoko-Eises.... vielleicht probiere ich mal Rosen stattdessen.
    Grüßle

    Ninive

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