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Karamelisierte Mandarinen und Buchvorstellung "La Cucina dolce"

Heute will ich euch das Buch "La cucina dolce: Die leckersten italienischen Süßspeisen"  von Carlo Bernasconi und Larissa Bertonasco aus dem Verlag Jacoby & Stuart vorstellen. Wie ihr später sehen werdet, ein mal ganz anderes süsses Kochbuch.


Die Rezepte und Texte stammen dabei von Carlo Bernasconi, einem Koch, Journalist und Restaurantbesitzer, der in Zürich das "Cucina e libri", ein Restaurant mit kulinarischer Buchhandlung betreibt und sich schon einen Namen als Kochbuchautor gemacht hat. Das "La Cucina Verde", ein ziemlich bekanntes, ähnlich aufgemachtes Buch über die vegetarische italienische Küche stammt auch aus seiner Feder Küche. Er gibt hier sogar eine Notfallnummer für Rezeptfragen an (ich hab mich aber nicht getraut, anzurufen).

Larissa Bertonasco  ist für die farbenfrohen Illustrationen verantwortlich. In diesem Buch gibt es nämlich kein einziges Foto. Sie studierte u. a. Kunstgeschichte, arbeitet als Illustratorin und Autorin hat ebenfalls bereits ein italienisches Kochbuch mit den Rezepten ihrer Großmutter LINK herausgebracht. Von ihr stammt in diesem Buch die Bebilderung in Form einer liebevollen Mischung aus Zeichnungen mit Collagen (sie verwendet z.B. dazu die Einwickelpapierchen von Orangen).


In einer sehr persönlichen Einleitung des Autors zum Thema "süsses Italien" werden die Rezepteauswahl (nicht zu kompliziert, leicht variierbar, relativ schnell und mit wenigen Zutaten nachzumachen) und die Getränkeempfehlungen erklärt.


Nach einem Kapitel zu den Grundrezepten (Panna Cotta, Konditorcreme oder Mascarponecreme für Tiramisu) geht es direkt zu den Rezepten. Diese sind in kleinen Kapiteln nach der Hauptzutat geordnet, wobei es sich meistens um Früchte, aber auch Schokolade und Nüsse, handelt:

Pfirsiche
Äpfel
Erdbeeren
Beeren
Kirschen
Feigen
Schokolade
Kastanien
Nüsse
Aprikosen
Birnen
Zitrusfrüchte
Tutti Frutti (etwas irreführend, hier verstecken sich sogenannte Löffeldesserts und das sind meist Cremespeisen)

Am Ende schließen sich noch 4 Register an: nach Rezepten ein deutsches und italienisches, eines nach Alphabet (das auch Zutaten auflistet) und ein Getränkeregister.

Jedes Kapitel ist gleich untergliedert. Es gibt eine detaillierte Einleitung zur jeweiligen Hauptzutat mit Produktinformationen, Verarbeitungshinweisen, Einkaufstipps (wo bekommt man was am besten) und Angaben zur Saison, teilweise gewürzt mit persönlichen Anekdoten. Dann kommen meist ungefähr 5 Rezepte zum Thema, mit deutschem und italienischem Titel.


Die Rezepte selbst beginnen mit der Auflistung der Zutaten und enden meist mit einer Getränke(Wein-)empfehlung bzw. Möglichkeiten zur Variation des Rezeptes. Dazwischen ist die Zubereitung in Einzelschritten schlüssig und genau beschrieben.

Das komplette Fehlen von Fotos ist nicht jedermanns Sache. Mich hat es anfangs nicht gestört und ich habe bewundernd im Buch geblättert. Aber nach einem backtechnischen kompletten Fehlschlag hätte ich schon gern das ein oder andere Vergleichsfoto gehabt.

Ich tat mir etwas schwer mit der Auswahl eines Testrezeptes, aus mehreren Gründen. Sämtliche Klassiker sind versammelt, aber auch mir Unbekanntes. Nicht nur Süßspeisen, auch eine stattliche Anzahl an Gebäcken. Eine grobe Einteilung zu den italienischen Regionen kann man schnell ausmachen: Sahnig-schokoladig im Norden, Fruchtig und alkoholreicher im Süden.

Lauter tolle Titel, die sofort Lust auf Urlaub in Italien machten (oder bei denen man wenigstens als Ersatz genau DAS sofort haben wollte). Und sehr viel frisches Obst. Italiener essen eben als Nachtisch oft frisches Obst, oft nur leicht mariniert o.ä. ohne viel Aufwand. Leider gerade die falsche Jahreszeit, obwohl mich die süßen Ravioli mit frischen Beeren und Himbeersauce ja doch sehr gereizt hätten...


Aber bei genauerem Hinsehen fiel mir die Auswahl noch schwerer - hier ein Likörchen rein, da noch ein Schnäpschen. Und das manchmal in nicht gerade homöopathischen Mengen. Bei 2 Kindern als Mitessern nicht so optimal - aber sie werden ja schließlich auch mal größer.
Dann blieb nicht mehr so viel übrig ... und da kommt wieder das rohe Ei ins Spiel, dass ich leider nicht so gerne im Essen mag und reduzierte die Auswahl nochmals.

Und zum guten Schluss hatte ich noch ein weiteres Problem mit manchen Rezepten. Es wird, wohl als Triebmittel, Trockenhefe zugegeben, dem Teig aber keine Aufgehzeit zugestanden, sondern direkt gebacken. So werden u.a. Cantucci, ein Ricotta-Pistazien-Kuchen und ein Apfel-Nusskuchen zubereitet. Nach meiner Einschätzung kann das so nicht stimmen und Backpulver wäre dort vielleicht besser angebracht.

Hmmmm

Also mal einen Kuchen

Unser erster Backtest daraus, ein Apfelkuchen mit dem schönen Namen "Crostata di mele".
Das hörte sich lecker an - nach knusprig und Apfel geht ja immer.

Die Mengenverhältnisse der Zutaten waren etwas seltsam (wenig Mehl, aber viel Flüssigkeit, sehr viel Backpulver und Zucker) - aber egal - Versuch macht kluch.

Im Ofen duftete das Gebäck schon verführerisch lecker. Aber außerhalb des Ofens ging ihm dann im wahrsten Sinne des Wortes die Puste aus und um so länger er abkühlte, desto flacher wurde er.
Na dann gibt's eben knusprigen Apfelpfannkuchen
Von wegen - beim vorsichtigen Befummeln der Oberfläche war diese wie ein Schwamm.
Und dann noch im Anschnitt speckig - so ein Mäusemi...
Weiß jemand, ob das so gehört??

Geschmacklich? Zuckeralarm! Meine Zähne schickten Notsignale ans Gehirn, ja nichts mehr nachzuladen.
Wirklich absolut keiner wollte den Kuchen essen. Normalerweise werfe ich wirklich keine Lebensmittel weg und vor allem fast keinen kompletten (Pfann)Kuchen, aber nicht mal ich konnte mich noch überwinden, etwas davon zu essen.
Diesesmal gibt es dazu also lieber kein Testrezept, es ist mir die Schreibarbeit leider nicht wert.

Also musste noch ein zweiter Test her, passend zur Jahreszeit, sehr schnell, einfach gemacht und doch ungewöhnlich und erstaunlich lecker gab es:


Karamellisierte Mandarinen

6 Mandarinen
ca. 100 g Rohrzucker
2 EL Wasser

Backofen auf 200°C vorheizen.
4 Mandarinen, möglichst ohne sie zu zerteilen und zu verletzen, schälen und in eine ofenfeste Schale oder einzelne Schälchen setzen. Mit ungefähr der Hälfte (ich habe weniger gebraucht) des Zuckers bestreuen und 3 bis 4 Minuten im Ofen karamellisieren lassen. Ich musste noch ein bisschen mit dem Küchenbrenner nachhelfen, um eine schöne Kruste zu erhalten.

In der Zwischenzeit die restlichen beiden Mandarinen auspressen und den Saft mit 50 g des Zuckers und dem Wasser in einem kleinen Topf zum Kochen bringen und dann auf kleiner Flamme zu einem karamellartigen Sirup einkochen.
Diese Flüssigkeit um die Mandarinen verteilen und sofort servieren


Ich denke, in den Fruchtkapiteln sind schon noch einige Schätze verborgen und auch sonst habe doch noch einige Rezepte auf die Nachkochliste geschafft.
Apfelcreme und Aprikosencocktail stehen ganz oben darauf, genauso wie frische Pfirsiche, die mit Honig und Amaretti gefüllt werden.
Ich freu mich schon auf den Sommer, dann gibt es auch auf jeden Fall die Gazpacho die Frutta.
Bis dahin helfe ich mir noch mit ein paar der schokoladigen Rezepte über den Winter. Es gibt z.B. einen Piemonteser Schokoladenflan, der sich sehr gut anhört. Ich hoffe nur, daß die Rezepte auch klappen.

Die Tiramisuvariationen mit gegrilltem Apfel und Erdbeeren werde ich ausprobieren, allerdings mit einer eifreien Mascarponecreme.

Ein rezeptetechnisch geradliniges und wunderschön illustriertes Buch, das eigentlich auch für Kochanfänger geeignet sein will, dabei aber doch ein paar (wahrscheinlich unbeabsichtigte) Hürden enthält.
Um dem vegetarischen Anspruch gerecht zu werden, wird konsequent Gelatine durch Agar-Agar ersetzt.



Kommentare:

  1. Interessant. Es gibt immer mehr solche Bücher, die Retro gehen. Ich habe zwar einige Koch- und Backbücher, die völlig ohne Fotos auskommen, aber so wie dieses Buch gestaltet ist, ist auf jeder Seite Farbe, dass heißt der Druck war nicht billiger als mit Fotos. Da muss wer schon ganz schön auf der Nostalgie Welle schwimmen... :-)

    Fotos helfen aber auch nicht immer, denn zwischen Koch und Fotografen stehen Welten. Dem Fotografen interesiert das Rezept in keiner Weise. An alles was die denken ist ein super Foto. Und dann arbeiten wir ein Rezept ab und es sieht in keiner Weise so aus wie auf dem Foto...

    ...aber wenn ich ein Rezept koche, das ich noch nicht kenne, dann nehme ich die Google Bildsuchmaschine. Die erwies sich noch immer als sehr hilfreich...

    Liebe Grüße
    Anna

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  2. Hallo Anna, ich weiß nicht genau, ob es die Nostalgiewelle sein soll, odr eine Mischung aus Kunst- und Kochbuch.
    Und leider idt es mir auch schon oft passiert, daß Rezept und Foto nicht zusammenpassen, da hast Du recht.

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