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Buchvorstellung: Nigel Slater - Das Küchentagebuch

Bei mir hat diese Buchvorstellung im Gegensatz zu vielen anderen Bloggern doch etwas länger gedauert. Aber wie sagt man den so schön - gut Ding will Weile haben.


Und auch Nigel Slater hat sein Küchentagebuch auch nicht in einer Woche mal kurz runtergeschrieben. Er begleitet uns nämlich ein ganzes Jahr lang durch die Küche und gibt in der Einleitung selbst zu, dass seine Rezeptnotizen aus seiner privaten Küche, die als Grundlage für dieses Buch dienen, nicht nur aus einem Jahr stammen sondern in mehreren Jahren gesammelt wurden. Ganz so lange habe ich dann doch nicht gebraucht. (Aber so ein Haus zu verputzen mit viel Selbermachen kostet sogar noch mehr Zeit als befürchtet).

Am Anfang hatte ich nach dem ersten Durchblättern kurz das Gefühl, dass ich dieses Mal im Gegensatz zu Tender | Obst* nicht so viel zum Nachkochen finden würde. Auf den ersten kurzen Blick hat mich nur das Rezept auf dem schon bekannten Schiebeeinband gereizt - Pistazien-Zitronen-Kekse. Deshalb habe ich es mir einfach mal in jeder freien Minute geschnappt und von vorne bis hinten durchgelesen (hier handelt es sich eben wieder nicht um ein reines Kochbuch - man muss sich darauf einlassen und darin lesen, um seinen Reiz zu erfahren). Um dann nicht mehr zu wissen, womit ich jetzt anfangen soll und wie ich das zeitlich unterbringe (da wir wie schon geschrieben, gerade am Haus verputzen waren immer noch sind).


Und dann hat mir so nach und nach die liebe Verwandtschaft die Entscheidungen abgenommen.

Ein Schüsselchen späte Johannisbeeren - da waren doch die verführerischen Beeren-Mandeltörtchen.
Eine größere Tüte nicht mehr ganz so hübscher Birnen - Birnen-Haselnusskuchen oder doch lieber das Haferflocken-Schoko-Crumble mit Birnen?
Ein verstaubtes Glas Orangenmarmelade, von der Kleinen angeschleppt - irgendwo in dem Buch wird das doch für ein Eis verwendet...

Und so wurde meine Liste an zu Backendem/Kochenden und Nachgemachtem schnell länger und länger. Auch wenn ich das Eis noch nicht gemacht habe (trotz dicker Staubschicht darauf ist die Marmelade noch ein gutes Jahr haltbar) es steht auch auf der Das-mache-ich garantiert-Liste.

Dieses Mal nimmt uns Nigel Slater an die Hand und mit in seine Küche und den angrenzenden Garten. Monat für Monat können wir ihn begleiten und erfahren dabei nicht nur viel über saisonales Kochen (auch wenn die Erntezeiten in GB wohl ein bisschen von unseren abweichen), sondern nehmen auch an seinem Küchenumbau teil oder erfahren von seinen Reisen nach Skandinavien und den folgenden Anstrengungen, die dortigen Genüsse in seiner Küche nachzubauen.


Mich hat das ganze Buch an einen gedruckten Blog erinnert. Es ist nämlich wieder gespickt mit vielen kleinen Geschichten und Gedanken rund um die Küche und Nigels Küchengarten. In den Texten findet man neben Unterhaltsamem zu Küchengeräten oder dem zu Erledigendem im Küchengarten noch zahlreiche Tipps und Tricks eines auf dem Boden gebliebenen Profikochs, dann folgt meist das Rezept. Überwiegend so wie man es kennt mit Zutatenliste und Anleitungstext, manchmal aber auch nur grob als Richtlinie aufgeschrieben. Und das ganze im Jahresverlauf geschrieben, beginnend mit einer wärmenden Suppe aus Speck und Sellerie sowie Cidre-Brot zum 1. Januar und endend mit einem Tamarinden-Fisch-Curry zu Silvester.

Und diese Bodenständigkeit des Kochs zieht sich auch durch die ganzen Rezepte in diesem Buch, wie er selbst schreibt findet man hier "nichts überkandideltes". Fast durchweg schnelle und einfache Rezepte für den Alltag eines Berufstätigen, der sich meist abends noch schnell was kocht, aber immer mit dem gewissen Extra. Und weil es eben Rezepte sind, die Nigel Slater direkt für sich und seine Mitesser zubereitet hat, schlagen seine Vorlieben deutlich durch. So findet man z. B. immer wieder Estragon als eines seiner Lieblingsküchenkräuter oder britisch angehaucht Früchte in Kombination mit Fleisch. Desserts und Kuchen bleiben unkompliziert, ohne viel Aufwand und schnell bei der Zubereitung.

Allgemein lässt sich schreiben, dass in diesem Buch tendenziell mehr fleisch-und fischhaltige Rezepte für Hauptspeisen und Snacks sind als in seinen bisherigen (wovon ich allerdings nur Tender-Obst ganz genau kenne). Bei 250 Rezepten kommt aber auch Obst, Gemüse und Süßes nicht zu kurz.

Soll ich euch ein bisschen Appetit machen?
Wer hat im März Lust auf eine Linsen-Spinat Pie oder Brötchen mit zerzupftem Schweinefleisch und Karotten-Ingwer Mayonnaise?
Könntet ihr im Sommer Nein Sagen zu Erdbeeren mit Minze-Himbeerzucker, Thymian-Zitonen-Kuchen und davor noch einem knusprigen Hühnchen mit Tomaten und Oliven?
Ende Juli und auch noch später freue zumindest ich mich über ein Pflaumen-Wassereis - bei mir dann wahrscheinlich mit Zwetschgen.
Und wenn es kühler wird dürfen wir uns auf Backkartoffeln mit Rilettes , Bananen-Trifle und auch ein fruchtiges Lachs-Curry freuen.


Nigel Slater hat schon eine ganze Reihe sehr erfolgreicher Kochbücher geschrieben, unter anderem auch Tender. Gemüse: Von der Aubergine bis zur Zwiebel * , das ebenfalls auf deutsch im DumontVerlag erschienen ist, und auch schon seine (kulinarische) Biographie, die verfilmt wurde. Er schrieb viele Jahren eine Kolumne für den Observer und heute für den Guardian. Auch das bereits vonmir vorgestellte Tender - Obst LINK stammt aus seiner Feder.

Die (eher wenigen) Bilder aus Küche und Garten stammen wieder von Jonathan Lovekin. Sie sind wieder sehr schlicht gehalten, zeigen aber die Freude am Kochen und illustrieren Slaters Küchenalltag perfekt.


Folgende Rezepte haben wir bisher ausprobiert:
  • Birnen-Haselnusskuchen mit Streuseln: perfekt für nicht mehr so ganz schöne Birnen mit einer Sirupüberraschung zwischen den Streuseln
  • Johannisbeer-Mandel-Törtchen: saftig und fruchtig mit leckeren Marzipanstückchen
  • Lachsröllchen mit Speck: sehr schnell und einfach gemacht und doch nicht ganz gewöhnlich und (schon wieder) einfach lecker. 

Das Eis muss leider noch warten, die Zeit fehlte mir einfach und ich kam (und komme immer noch) leider nur zum notdürftig und auf die Schnelle kochen (die einzigste Ausnahme war der Geburtstag unseres Hausherrn)- aber es wird auf jeden Fall noch ausprobiert.

Wer jetzt Lust auf das Buch bekommen hat:
Nigel Slater*
Das Küchentagebuch
Dumont Verlag
ISBN: 978-3832194772

Noch mal ein Dankeschön an den Dumont-Verlag für die freundliche Überlassung des Buchs zur Rezension. Meine Meinung zu diesem Buch und dieser Artikel sind davon nicht beeinflusst.

Alle mit * versehenen Links sind Affiliate Links





Kommentare:

  1. Liebe Barbara, ich hab gerade entdeckt, dass Du die Biskuitwerkstatt in Deinem Blogroll hast :) Darüber freue ich mich sehr! Hast Du vielleicht Lust an meine Waffel-Blogevent teilzunehmen?? Viele Grüße von Mareike

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    1. Lust hätte ich schon - ich hatte dein Event auch schon in mein kleines Notizbüchlein eingetragen. Meine Mädels stehen nämlich sehr auf Waffeln. Jetzt muss ich nur noch hoffen, dass ich es auch zeitlich schaffe.

      Süße Grüße,
      Barbara

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  2. I like what you guys are usually up too. This sort of clever work and exposure!
    Keep up the awesome works guys I've included you guys to blogroll.


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