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Gedämpfte Schokoladencreme im Gläschen mit Tonkahäubchen

Nachdem ich jetzt einen Monat ausgesetzt habe, habe ich heute wieder einen Beitrag für Zorras monatliches Blogevent. Dieses Mal richtet Claudia von Geschmeidige Köstlichkeiten das Event aus und sucht Rezepte für "Smooth Food". Damit sind nicht (nur) die zur Zeit fast allgegenwärtigen Smoothies gemeint. Auf Claudias Blog dreht sich nämlich alles um genussvolle Rezepte für Menschen mit Kau- und Essproblemen. Durch eine ehemalige Studienkollegin weiß ich, wie schnell man zum Beispiel durch einen Unfall mit folgender Kiefer-OP selbst vor einem solchen Problem stehen kann.
Bei ihr finden aber nicht nur Betroffene leckere, optisch ansprechende und in der Textur interessante Anregungen, auch Menschen, die zum Glück nicht an Kauproblemen leiden, werden ihre Rezepte ansprechend finden und einiges zum Nachkochen finden.

Ich wollte ein Dessert machen und ging mal davon aus, dass die meisten Betroffenen weiche und labbrige Rezepte im Puddingstil für Desserts schon zu genüge kennen. Bei mir sollte es etwas Kompakteres mit mehr Mundgefühl, etwas Intensives und auch ein bisschen Luxuriöses geben. Und da kommt bei mir meist gleich Schokolade in Spiel.
Dass hier immer wieder gerne Neues und auch außergewöhnlichere Zubereitungsarten ausprobiert werden, davon konntet ihr ja hier stellenweise schon ausgiebigst lesen. Und natürlich mache ich auch nicht vor unserem Dampfgarer halt - wenn man so ein Gerät hat, sollte es schließlich auch genutzt werden. Nur zur Deko eignet es sich nicht besonders gut - soooo hübsch ist er auch wieder nicht. Also nutzte ich die Gelegenheit.

Es regnete wie wahnsinnig und wir hatten auch wirklich Lust was süßes-schokoladiges. Wie schon oft in diesem Fall wurde ich in dem Buch Schokolade. Die Kochschule fündig, denn mir ist die Schokocreme eingefallen, die ich mir bisher immer verkniffen habe. Dort allerdings mit Espressogelee -brrr, bei uns mit etwas luftigerem obendrauf, einem mit Tonkabohne aromatisiertem Sahnehäubchen.


Nach dem Probieren muss ich gestehen - das ist wirklich keine Schokocreme für jeden Tag. Sie ist für echte Schokoladenjunkies, nämlich extrem schokoladig und durch die 70%ige Schokolade doch eher herb als süß. Kindern macht man damit nicht unbedingt eine Freude (die essen eher nur das Sahnehäubchen). Die Kombination mit hohem Kakaogehalt und eher wenig zugegebener Flüssigkeit sorgt für eine relativ feste Creme, deren Konsistenz an eine Ganache erinnert und viel fester als zum Beispiel Pudding ist. Geschmacklich schön intensiv, aber man sieht die Kalorien fast direkt vom Löffel auf die Hüften hüpfen, so gehaltvoll ist sie.
Ich musste feststellen, dass es wohl nicht nur ein Zuckerkoma sondern auch ein Schokokoma gibt. Nachdem ich nämlich mein Gläschen vernichtet hatte (und eigentlich wirklich pappsatt war), musste ich noch ein paar Löffel der Reste meiner Zwerge essen (die mir zum Wegwerfen zu schade waren) - danach war mir den ganzen Mittag gelinde gesagt nicht mehr ganz so wohl.

Für diese Creme braucht man aber nicht unbedingt einen Einbaudampfgarer, es genügt auch ein Dämpfkorb oder -einsatz für einen Kochtopf oder auch ein Wasserbad im Backofen.

Und noch ein Tipp: Hier werden sehr wenige Zutaten verwendete, dadurch steht und fällt der Geschmack dieses Nachtischs mit der Qualität der verwendeten Schokolade - nehmt also wirklich nur eine, die euch auch pur wirklich gut schmeckt. Wer es etwas süßer mag, kann auch Schokolade mit nur 60% Kakaogehalt verwenden, braucht dann aber etwas mehr, damit die Creme fest wird (das liegt am geringeren Kakaobuttergehalt)

Wir haben 4 flache, breite Gläschen mit 7,5 cm Durchmesser und 3 cm Höhe genommen. Ich würde etwas kleinere empfehlen (oder die Schokolade in einer dünneren Schicht einfüllen und vielleicht 6 Stück dann befüllen), damit die Portionen nicht ganz so mächtig werden.
Bei kleineren Gläschen kann die Garzeit dann um einige Minuten reduziert werden (ich würde sie ungefähr 15 Minuten garen).


Gedämpfte Schokocreme mit Tonkahäubchen

Schokoladencreme:
120 g dunkle Schokolade (70% Kakaogehalt) oder 140 g mit 60% Kakaogehalt
100 ml Milch
1 Ei
1 Eigelb
 
Sahnehäubchen:
100 ml Schlagsahne
1 TL Zucker
1/4 Tonkabohne, frisch gerieben
 
Die Schokolade schmelzen, am besten in einer hitzefesten Schüssel im Wasserbad.
In einem separaten Topf die Milch stark erhitzen und kurz vor dem Aufkochen von der Hitzequelle nehmen.
In 3 Portionen nacheinander zur flüssigen Schokolade geben, dazwischen jeweils immer gut mit einem Teigschaber unterrühren.
Ei und Eigelb leicht verschlagen und unter die Schoko-Milchcreme rühren, bis alles homogen ist.
 
Auf 4 bis lieber 6 hitzefeste Schüsselchen verteilen. Diese mit Frischhaltefolie möglichst dicht abdecken.
 
Im Dampfgarer:
In das Lochblech auf der 3. Schiene in den Dampfgarer geben. 15 (kleinere Gläschen) bis 20 (Gläschen mit 7,5 cm Durchmesser) Minuten lang bei 85°C Dampftemperatur garen.
 
Im Kochtopf mit Dämpfeinsatz:
In den Dämpfeinsatz stellen, Topf verschließen und bei mittlerer Temperaturstufe auch je nach Gläschengröße 15 bis 20 Minuten garen.
 
Im Wasserbad :
Backofen auf 100°C vorheizen. Ein Backblech einschieben und ca. 1 cm hoch mit kochendem Wasser füllen). Die Gläschen direkt in das heiße Wasser stellen und ebenfalls 15 bis 20 Minuten garen.
 
Nach dem Garen vollständig abkühlen lassen.
 
In der Zwischenzeit kann man die Sahne zusammen mit Zucker und Tonkabohne fest, aber nicht komplett steif schlagen.
Jeweils eine großen Klacks auf die Schokocreme setzen und nach Wunsch noch mit Schokoladenraspeln bestreuen.
 


Kommentare:

  1. Liebe Barbara, ich bedanke mich besonders herzlich bei Dir für dieses schöne Rezept und vor allem, dass Du Dir wirklich viel Gedanken zu meinem Thema gemacht hast. *Labbrige Rezepte im Puddingstil* das muss ich mir notieren ;-) Liebe Grüße Claudia

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    1. Hallo Claudia, ich denke, ein bisschen Gedanken und Infos zum Hintergrund des Ganzen gehört schon dazu - es ist ja schließlich auch ein Event mit Hintergrund und nicht nur ein Event nach dem Motto " Jetzt ist Sommer - also mach ich ein Eisevent".

      Liebe Grüße,
      Barbara

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  2. Liebe Barbara, ich bedanke mich besonders herzlich bei Dir für dieses schöne Rezept und vor allem, dass Du Dir wirklich viel Gedanken zu meinem Thema gemacht hast. *Labbrige Rezepte im Puddingstil* das muss ich mir notieren ;-) Liebe Grüße Claudia

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  3. In letzter Zeit höre ich immer mehr von Menschen mit Kau- und Schluckstörungen. Das muss wirklich eine schlimme Sache sein und ich finde es großartig, wenn sich Menschen Gedanken darum machen, um ihnen leckere Speisen und Genuss zu ermöglichen. Deine Schokocreme klingt wirklich sehr lecker. Ich denke, es kommt auch auf die Schokolade an, denn nicht nur der Prozentanteil zählt, sondern auch die Sorte des Kakaos. Ich habe schon sehr scheußliche, fast saure dunkle Schokoladen gegessen, genauso wie welche mit den selben Prozenten, die köstlich waren.
    Liebe Grüße Maren

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    1. Hallo Maren, ich glaube, durch das Internet bekommt man eben sehr viel mehr an solchen Sachen mit und kommt auch leichter an Informationen darüber. Was das Leben für Betroffene sicher doch etwas einfacher macht. Früher wären die weniger kreativen Köche darunter wohl wirklich lange auf Suppe und "labbrige Puddings" ;-) angewiesen gewesen - heute haben alle durch Blogs wie von Claudia wenigstens die Möglichkeit, sich trotz solchen Problemen schmackhaft zu ernähren.

      Und mit der Schokolade hast du natürlich recht. Genauso wie es bei den SOrten mit weniger Kakaogehalt pappsüße und damit (für mich, meine Mädels sehen das anders) ungenießbare gibt, hat es auch bei den höherprozentigen welche dabei, die nicht wirklich schmecken. Und für mich ist ab 70% Kakaogehalt wirklich Schluss. Jedes Mal wenn ich Schokolade mit noch höherem Kakaogehalt probiert habe, fand ich sie wirklich scheußlich (und wie du schreibst auch teilweise recht sauer).

      Liebe Grüße,
      Barbara

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