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selbstgemachte Sahnedickmilch

Dickmilch ist im Vergleich zu Joghurt wohl etwas aus der Mode gekommen. Vielleicht liegt es daran, dass sie im Vergleich zu Joghurt etwas langwieriger herzustellen ist und dadurch letztendlich etwas teurer? Im Kühlregal im Supermarkt ist Dickmilch jedenfalls nicht mehr überall zu finden.

Allerdings ist sie in der eigenen Küche sogar einfacher herzustellen als Joghurt. Deshalb war die Herstellung von Dickmilch früher auch eines der beliebtesten Verfahren, die im eigenen Haushalt zur Haltbarmachung von Milch durchgeführt wurden.


Der Grund liegt in den jeweils verwendeten Starterkulturen. Diejenigen (mesophile Starterkulturen) für Dickmilch arbeiten am liebsten bei 25 bis 30°C, das bedeutet, dass die Bakterien auch schon bei normalen Zimmertemperaturen ausreichend aktiv sind, um aus normaler Milch (oder einer Mischung mit Sahne) ein Sauermilchprodukt zu machen. Als die Milch noch beim Bauern geholt wurde, wurden auch die entsprechenden Kulturen gleich mitgeliefert und säuerten die Milch, wenn sie lange genug bei Raumtemperatur stehen gelassen wurden.
Heute ist die Milch allerdings so sauber, dass sie eben einen Stups durch Starterkulturen braucht.

Für die Joghurtherstellung braucht man aber neben der passenden Starterkultur auch über längerre Zeit wärmere Temperaturen. Die optimalen Wachstumsbedingungen für diese Bakterien (thermophile Starterkulturen) liegen bei 35 bis 40°C. Bei diesen Temperaturen geht die Säuerung der Milch allerdings auch viel schneller als bei Raumtemperatur.
So braucht die Joghurtherstellung nur ca. 6 Stunden, während man bei Dickmilch mit einer Wartezeit von 12 bis 24 Stunden rechnen muss.


Aber Vorsicht, nicht einfach die Temperatur hochdrehen, um den Prozess zu beschleunigen!
Die hier verwendeten "Starterkultur" aus saurer Sahne nimmt das ziemlich übel und arbeitet dann gar nichts mehr, da die Bakterien sehr wärmeempfindlich sind.

Als Kind habe ich wohl auch das eine oder andere Mal schon unfreiwillig Dickmilch gemacht. Wir bekamen, als wir noch relativ klein waren immer abends noch Milch in einer Flasche.
Wenn wir die nicht mochten, ließen wir die Flasche heimlich im Nachttisch verschwinden - und wenn unsere Mutter nicht daran dachte, wurde sie nach ein paar Tagen durch den säuerlichen Geruch eindeutig daran erinnert - und konnte den Inhalt dann auslöffeln und nicht mehr weggießen.

Das Rezept bzw. die Anleitung habe ich aus dem Buch "Gutes Essen - Lebensmittel selber machen " von Bettina Snowdon.

Sie hält sich gut eine Woche im Kühlschrank, wohin sie nach dem erfolgreichen Säuern gestellt werden sollte und ist genauso vielseitig verwendbar wie Joghurt.
Also einfach so essen, mit Müsli, wie ich hier mit frischem Obst oder auch anstelle von Joghurt in einer leichten Mousse.


Sahnedickmilch


500 ml pasteurisierte Milch (es geht auch H-Milch)
100 ml Sahne
100 ml Saure Sahne

Die Milch in einem ausreichend großen Topf auf 30°C erhitzen (auf keinen Fall mehr, ansonsten wieder abkühlen lassen). Die Temperatur sollte mit einem Küchenthermometer überprüft werden.

Sahne und Saure Sahne gut unterrühren, bis alles wieder homogen und klümpchenfrei ist.
Die Temperatur kontrollieren. Ist sie zu stark abgefallen, lieber nochmals leicht auf maximal 30°C erwärmen.

Die so vorbereitete Milch in ein oder mehrere lichtundurchlässige, verschließbare Gefäße (z.B. Schraubdeckelglas aus Braunglas) abfüllen. Alternativ aus hellem Glas und diese mit einem Geschirrtuch gut abdecken.

Bei Raumtemperatur stehen lassen. Jetzt heißt es nur noch warten - und zwar 12 bis 24 Stunden.
Danach sollte die Milch deutlich angedickt sein und erfrischend säuerlich riechen.
Beim Verzehr lässt sich ein leichtes Prickeln feststellen (da kann man sich morgens das Sektfrühstück sparen und lieber eine Schüssel Dickmilch vernaschen).



Kommentare:

  1. Das klingt sehr verlockend, zumal es stimmt, die Dickmilch verschwindet mehr und mehr aus dem Angebot. Ich behalte dein Rezept mal im Hinterkopf!
    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Und das verlockendste daran ist, dass man eigentlich gar nichts tun muss - außer warten. (wobei ich mich dabei auch nicht ganz beherrschen konnte und immer mal wieder ein Glas leicht gekippt habe)

      Liebe Grüße,
      Barbara

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  2. Sehr schön beschrieben. Damit kann man eine Menge anfangen. Und das nicht nur bei Desserts :-)
    Wenn man das macht, kann man sich auch mal an die Quarkherstellung wagen. Ist auch nicht groß anders in der Herstellung.

    Gruß,
    Jens

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    1. Dann muss ich wohl auch mal Quark probieren, dass würde noch ausstehen :-)

      Liebe Grüße,
      Barbara

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