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Hej Norge - eine kulinarische Entdeckungsreise mit Bauernmädchen

Die kulinarische Weltreise, organisiert von Sarah aus dem Knusperstübchen geht diese Jahr in die zweite Runde. Die erste Reise letztes Jahr war ja schon toll, aber dieses Jahr geht es wohl wirklich einmal rund um die Welt, den es machen dieses mal sehr viele Blogger mit.

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Nach Griechenland im letzten Jahr hat es mich dieses Mal aus irgendwie sentimentalen Gründen nach Norwegen verschlagen. Denn wir waren früher (also vor den Kindern) eigentlich jedes Jahr mindestens ein Mal bei Freunden in Norwegen. Im Jahr ihrer Hochzeit sogar zweimal.

Hier dürft ihr schon mal einen kleinen Blick auf das, was euch am Ende des Posts erwartet werfen, so als Erleichterung zum Durchhalten:


Jedes Mal waren wir auf 4 Rädern unterwegs und fast immer  auch mit der Fähre, obwohl ich das Schifffahren hasse (es ist irgendwie komisch, wenn nachts um 12 auf einmal der Motor aufhört, zu laufen und es sich immer anhört als würde das Schiff gegen den Randstein fahren...).
Von Süddeutschland aus waren wir also immer ganz schön lange unterwegs :-).

Zum Glück wohnen unsere Bekannten ziemlich im Süden, fast genau hinter der schwedischen Grenze.
Durch diese Besuche sollte ich eigentlich ja genügend von der norwegischen Küche kennen, da wir dort immer sehr reichhaltig verköstigt wurden. Dem ist leider nicht so, denn unsere Hausherrin dort kochte überhaupt nicht gern (und so gab es jedes Jahr das ziemlich gleiche und wenn es auswärts essen ging, dann nicht norwegisch). Allerdings gab es jedes mal eine Art Hackfleisch-Erbsen-Topf mit Sahnesauce, den ich sehr lecker fand.


Für uns eher ungewöhnlich waren und sind immer noch jedoch die Essenszeiten. Die, wie ich in der Zwischenzeit weiß, für Norwegen aber absolut normal sind. Nach einem reichhaltigen Frühstück mit Brot, Siltetoy (Marmelade), Ost (Käse) und Wurst gibt es zur Mittagsessenszeit nochmal eine kleine Brotzeit. Richtiges, warmes "Mittagessen" (Middag) gibt es erst sehr spät um ungefähr 17 Uhr und dann wird richtig reingehauen bei meist Fleisch, Wild oder Fisch mit irgendwas Kartoffeligem und ggf. einer Gemüsebeilage, danach eventuell etwas Kaffee und Kuchen. Spät am Abend, wenn ich normalerweise schon halb KO auf dem Sofa liege, gibt es das Abendbrot (Kveldsmat). Wieder Brot mit allen erdenklichen Belägen drauf (bei uns war das oft auch mal irgendwelche Schmelzkäsecremes und Fischzubereitungen aus der Tube). Eine Käsesorte, den dunkelbraunen Geitost/Brunost gab es auch immer. Sehr gewöhnungsbedürftig, denn er schmeckt eher karamellig süß.

In ganz besonderer Erinnerung ist mir immer noch die norwegische Hochzeit, zu der wir auch anreisten. Schon die Kirche war etwas besonderes, nämlich eine typische Stabkirche und auch die Sitzordnung darin war besonders einprägsam - streng getrennt nach Gästen der Braut und des Bräutigams wurden alle auf den beiden Seiten des Mittelganges einsortiert. Das Fest selbst fand in einer Art Ausflugsrestaurant, sehr schön am See gelegenen, statt. Beinahe jeder hat eine Rede gehalten, sogar der Bräutigam, der sonst nicht so romantisch veranlagt ist. Wir haben leider so gut wie gar nichts verstanden, aber uns mit den auf dem Tisch verteilten Einwegkameras und einer Menge Blödsinn trotzdem gut unterhalten.
Zu Essen gab es ein typisch norwegisches Festessen: Krabbencocktail als Vorspeise, Rentierbraten mit Preiselbeeren und (wenn ich mich richtig erinnere) Kartoffeln als Hauptgericht und ausgerechnet an das Dessert kann ich mich leider kaum mehr erinnern, ich glaube aber eine Art Creme Karamell und noch etwas anderes.
Und danach noch eine riesige Hochzeitstorte (wie es jetzt bei uns auch so beliebt ist im amerikanischen Stil, mit Fondant eingedeckt), von der nur sehr wenig gegessen wurde.
Danach ging es sehr feuchtfröhlich zu - mit sehr hochprozentigem Alkohol, der direkt im Glas auf Trinkstärke verdünnt wurde. Mit mehr oder weniger Erfolg, denn umso später der Abend wurde, umso mehr landete auch daneben auf den Tischplatten - und löste den Lack ab!
Von der Hochzeit könnte ich noch mehr schreiben, aber das würde langsam doch den Rahmen sprengen...

Aber ich schreibe euch noch ein bisschen was allgemeines. Lange Zeit war das Kochen und Essen für die Bewohner im Landesinneren nicht mit Genuss verbunden sondern nur reines Mittel zum Überleben. Dort gab es kaum Fisch und Meeresgetier (wenn, dann nur getrocknet), das war den Küstenbewohnern vorenthalten. Die Küche war sehr eintönig und von den selbst angebauten landwirtschaftlichen Produkten abhängig. Und da die Sommer in Norwegen sehr kurz und nicht besonders warm sind, war die Auswahl an anbaubarem Obst und Gemüse eben auch sehr beschränkt. Es wurde versucht, so viel wie möglich haltbar zu machen, vorwiegend durch Einlegen (und milchsauer vergären), Trocknen oder Salzen (Graved Lachs ist dafür ein Beispiel). Geschmack brachten vorwiegend traditionelle Kräuter wie Dill oder auch Petersilie. Heimisches Gemüse sind eher Wurzelgemüsearten wie rote Beete oder Karotten. Ansonsten noch Kohl in allen Variationen und natürlich Kartoffeln. An Obst gibt es dafür viele heimische Beeren wie z.B. Preiselbeeren, Moltebeeren, Heidelbeeren oder Johannisbeeren. Und natürlich noch Äpfel und Birnen.

Ansonsten mögen die Norweger wie alle Skandinavier Lakritz und Kardamon (in fast jedem süßen Gebäck ;-) ).

Norwegen war lange Zeit eines der ärmsten Länder Europas, deshalb gibt es auch wenig Auswahl an traditionellen Kuchen und Desserts. Desserts bestehen hauptsächlich aus Milchprodukten und gebacken wurde zumindest früher hauptsächlich zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Weihnachten. Kransekakke (hier könnt ihr ein Beispiel bei Maren bewundern), bløtkake (Biskuit mit Himbeermarmelade und Sahne), suksesskake ("Erfolgskuchen"), verdensbeste (der beste Kuchen der Welt) oder fyrstekakke sind neben den allgegenwärtigen Kanelbollar (Zimt-Kardamomschnecken) die bekanntesten Beispiele. Daneben gibt es an Backwaren nur noch wenige traditionelle Rezepte für Weihnachtskekse.
Brot schmeckt meist leicht süß. Die bekannteste Sorte ist wohl Kneippbrot und natürlich darf das lange haltbare Knäckebrot nicht vergessen werden.


Wollt ihr noch was zum Alkohol wissen????  Dann schaut mal im Vinmonopolet nach, den harte Sachen (so gut wie alles, dessen Alkoholgehalt über dem von Bier liegt) werden nur dort verkauft.
Ein richtiger Rausch ist in Norwegen ein eher teures Vergnügen. Um sich darüber hinweg zu trösten, trinken sie in Unmengen Kaffee (oder schwarzgebrannten Schnaps).

Jetzt habt ihr aber lange genug durchgehalten, jetzt kommt mein Rezept:

Ich habe euch ein typisches Dessert mitgebracht, dass es wohl so oder auch so ähnlich in allen skandinavischen Ländern und auch teilweise in Norddeutschland gibt - ein verschleiertes Bauernmädchen.

Dieses hier braucht sich aber nicht hinter einem Schleier verstecken, denn ich habe es ein wenig aufgepeppt.

Anstelle der üblichen Weißbrotkrumen habe ich schon etwas trockene Zimtschnecken (das Lieblingsgebäck der Norweger) verwendet. Genauso gut kann man aber auch Pumpernickel, Vollkornkekse oder ähnliches verwenden - heraus kommt ein schneller und einfach zu machender Genuss (und wer ganz wenig Zeit hat, der nimmt einfach fertiges Apfelmus aus dem Glas).


Tilslørte Bondepiker (Verschleiertes Bauernmädchen)

Apfelmus:
5 Äpfel, geschält, in spalten geschnitten und entkernt (also ca. 400 bis 450 g Apfelspalten)
Saft einer halben unbehandelten Zitrone
50 g Zucker
ca. 50 ml Wasser oder Apfelsaft
1 kräftige Prise Zimt

Krümelschicht:
2 altbackene Zimtschnecken (ca. 300 g, die Menge muss nicht so genau passen), Toastbrot, Löffelbiskuits o.ä.
50 g Butter

Sahneschicht:
300 ml Sahne
1 TL Vanillezucker


Apfelstücke mit dem Wasser/Saft, Zitronensaft, Zucker und dem Zimt in einem Topf aufkochen. Ca. 15 Minuten kochen lassen, bis die Äpfel zerfallen sind. Zum Abschmecken eventuell etwas Zitronensaft hinzufügen oder, falls das Apfelmus zu sauer ist, noch Zucker unterrühren.
Mit dem Pürierstab zu einem glatten Mus zerkleinern.

Die Zimtschnecken klein krümeln.
In einer Pfanne die Butter zerlassen und die Zimtschneckenbröseln darin unter Rühren goldbraun und knusprig braten. Komplett abkühlen lassen.

Die Sahne mit dem Vanillezucker steif schlagen.

Das Dessert erst kurz vor dem Verzehr zusammensetzen, damit die Brösel auch knusprig bleiben.

6 Serviergläschen bereitstellen und mit dem einschichten beginnen.
Zuerst kommt eine Schicht Zimtschneckenkrümel, dann eine Lage sahne und zum Abschluss Apfelmus. Nochmals wiederholen, so dass in jedem Gläschen 6 Schichten sind.

Nach Wunsch noch mit etwas Minze oder ähnlichem Dekorieren und dann Servieren.





Kommentare:

  1. Oh, wie lecker das aussieht! Zimtschnecken im Dessert zu verarbeiten ist echt genial. Vielen Dank auch für die ganzen Hintergrundinfos. Ein toller Einblick auf unserer Weltreise :o)
    Liebe Grüße,
    Daniela

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    1. Danke dir! Zuerst wusste ich ewig nicht was ich machen sollte, dann hatte ich mir auch Zimtschencken überlegt und dass ist dann daraus geworden ;-)

      Liebe Grüße,
      Barbara

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  2. Liebe Barbara,
    was für ein schöner Norwegen-Post. :) Ich liebe ja die skandinavische Küche aber diese kohlenhydratreichen Essgewohnheiten sind mir auch schon des Öfteren "auf den Magen geschlagen". Bei meiner Cousine (die lebt in Schweden) frag ich mich manchmal, wie die es schafft, so schlank zu bleiben, bei all dem Brot und Hefeleckereien, die die so verputzen. Aber wahrscheinlich sieht es da auch nur so aus, wenn man Gäste oder generell etwas zu feiern hat. :)
    Dein Bericht über die Hochzeit finde ich auch klasse und das Dessert klingt super, das muss sich wahrlich nicht hinter einem Schleier verstecken. :)
    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Auch dir ein Dankeschön! Unsere Freunde gehören schon ein bisschen in die rundlichere Fraktion, aber ich glaube im Norden ist so ein kleines Fettpölsterchen als Wärmeschutz gar nicht schlecht ;-)

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  3. Das war ja mal eine spannende Reise nach Norwegen, Barbara! Ein toller Einblick mit Informationen, die ich noch nicht kannte. Wie schaffen die Norweger bloss so viel zu essen?? ... und zu trinken,hihi! Mein Vater würde das Kommodenlack nennen, was es da zur Hochzeit zu trinken gab (obwohl es den anscheinend eher ablöst :-D ) .
    Das Dessert jedenfalls, kenne ich in ähnlicher Form aus Dänemark. Dort heißt es witzigerweise Aeblekage, obwohl es kein Kuchen ist.
    Liebste Grüße Maren

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    1. Wir haben uns auch immer gewundert, wie sie das schaffen, vor allem so spät abends noch. Ich kannte den Ausdruck Kommodenlack bisher auch nicht, und er würde wahrscheinlich wirklich genau so abgelöst wie der Tischlack ;-)

      Auch ein liebes Grüßle zurück von Barbara

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  4. Liebe Barbara,
    so ein toller Beitrag von dir, ich hätte noch eine Weile weiterlesen mögen ♡
    Mein Opa war trotz seiner Kriegsgefangenschaft im Land ein sehr großer Norwegen-Fan. Vor meiner Geburt hat er gemeinsam mit meiner Oma und meinen Eltern eine große Rundreise gemacht, von der meine Mam heute noch schwärmt.
    Irgendwann muss ich dort auch nochmal hin!
    Vielen Dank für deinen tollen Einblick und das leckere Rezept. Die Idee mit den Zimtschnecken ist klasse ♡
    Liebe Grüße Janke

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    1. Janke, ich danke dir für deinen Kommentar. Mein Opa war in Frankreich in Kriegsgefangenschaft, bei einem Bauern, bei dem es ihm, soweit ich noch weiß, relativ gut ging. Ich glaube, auch er wäre sehr gerne noch mal in die Gegend gefahren, hat es aber nie gemacht.
      Liebe Grüße, Barbara

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  5. Hallo liebe Barbara, eine ganz tolle Idee mit den Zimtschnecken im Dessert! Als Schleswig-Holsteinerin kenne ich das Bauernmädchen auch in seiner traditionellen Form. Das stelle ich mir noch viel leckerer vor. Danke auch für die tollen Geschichten aus Norwegen, ich liebe solche persönlichen Eindrücke! Ein toller Beitrag! Lg Carina

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    1. Danke dir - und ich mußte die Norwegengeschichten einfach mal loswerden ;-)

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  6. Liebe Barbara!

    Toller Artikel, viele interessante (und für mich völlig neue) Infos!!
    Und außerdem noch eine gute Verwertungsmöglichkeit für altbackene Zimtschnecken!!

    LG
    Viktoria

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