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Es sollte DIE absolute umwerfendste Apfeltorte werden ...

nämlich die Frivolité von Pierre Hermé aus seinem Buch PH10 .
 
Aber was herauskam war wieder eine Mischung Ablenkung, Ungeduld und einem lampenaufhängenden Hausherrn, die zu kleineren Küchenkatastrophen und einer genervten Tortenbäckerin führten.
Die dann auch letztendlich so überhaupt keine Lust mehr hatte und die wahrscheinlich hundertprozentig sehr leckere Karamellschaumcreme einfach durch eine schnelle Karamellsahnecreme ersetzt hat (die gab es schon mal bei den Karamell Chantillys hier).
 
Aber der Reihe nach. Die Kleine wurde 5 und ich hatte mir mal wieder viel vorgenommen. Es sollte 2 etwas aufwendigere Torten und auch einen etwas anderen Zwetschgenkuchen (für den ich auch dreierlei Teige brauchte) geben.
Samstags morgens sollte es los gehen und ich hatte schon alles bereit gestellt - und dann mussten wir kurzfristig los, Glühbirnen kaufen, sonst wären wir abends im Dunkeln gesessen. In die neuen Lampen passten nämlich die aus der noch in der Küche hängenden Baubeleuchtung nicht rein.
Nach einem Ausflug in den Elektroladen und zwei Abstechern in die Zoohandlung und den Supermarkt waren wir dann auch nach 4 Stunden endlich wieder da.
Losbacken? Nichts da, zuerst die halbe Küche mit Gips- und Betonkrümeln einstauben, den die Lampen mussten ja noch an die Decke.
Nachdem ich zwei Eimer Bauschutt von der Arbeitsplatte geschippt hatte, verzog sich mein Mann zur Kücheninsel, um dort auch noch ein bisschen die Decke anzubohren.


Die beiden Baiserböden waren schnell zusammengerührt und im Ofen, der nächste Teig in der Rührschüssel - bis die Küchenmaschine keinen Muckser mehr macht. Ein kurzer Blick zum Ofen - der hatte auch keinen Saft mehr...
Es gab schnell wieder Strom, aber irgendwie war einer der beiden Baiserböden beleidigt.
 
Als ich abends mal so langsam die Torte zusammenbauen wollte, ließ sich der als unterer Boden eingeplante gar nicht vom Backpapier lösen - er war innen noch komplett roh und durch meine nicht ganz so zaghaften Ablöseversuche letztendlich komplett kaputt.
Also nochmal schnell einen Biskuit - Baiser wollte ich nicht nochmal machen.
Die Apfelfüllung kam mir etwas trocken vor, was sich auch in der Torte dann leider so bewahrheitet hat. Vielleicht war mit Püree aus grünen Äpfeln ja gekochtes Apfelmus gemeint? Ich habe nämlich rohe kleingehäckselt.
 
Und Lust auf die aus 2 Grundcremes und selbstgekochtem Karamell bestehende Schaumcreme hatte ich auch nicht mehr - und das Ganze auf den nächsten Morgen vertagt.
Die Lust wurde nicht größer und ich griff zu Plan B, in der oben genannten Karamellsahne ist ja schließlich auch Karamell drin.
 
Aber egal ... zu guter Letzt stand dann doch eine halbwegs ansehnliche und schmackhafte Torte auf dem Tisch, wenn auch mal wieder komplett anders als in meiner Vorstellung.
Trotzdem darf sie jetzt auch noch zur #ichbacksmir Aktion von Clara rüber wandern, den eine Torte ist ja immerhin trotzdem noch rausgekommen.

Aber das Original muss ich wohl doch nochmal mit etwas mehr Zeit ausprobieren, nachdem die Kochpoetin Eva so begeistert von ihr war, muss doch was dran sein !?!

Apfeltorte mit Mandelknusper 

Baiserboden:
50 g gemahlene Mandeln
133 g feiner Zucker (1)
13 g Weizenmehl 550er, gesiebt
83 g gelagertes Eiweiß
50 g feiner Zucker (2)
9 g Mandelstifte, geröstet
 
Genueser Biskuit:
3 Eier, Raumtemperatur
150 g Zucker
150 g Mehl
65 g Butter, geschmolzen und wieder auf Raumtemperatur abgekühlt
Gekochte Äpfel:
12 g Butter
184 g Granny Smith Äpfel, in 1cm große Würfel geschnitten
12 g Zucker
1/4 TL gemahlene Vanille

rohe Äpfel:
8 g Gelatine, in etwas Wasser eingeweicht
120 g Püree aus grünen Äpfeln
18 g Zucker
60 g Granny Smith Äpfel, in 1cm große Würfel geschnitten

Meersalz-Karamell:
40 g Sahne, flüssig
1 Msp. gemahlene Vanille
75 g Zucker
15 g Glukosesirup (oder Honig)
60 g weiche Butter, gewürfelt
1 große Prise Fleur de Sel

Karamell - Chantilly - Creme:
400 g Crème double
1/2 TL gemahlene Vanille
100 g Meersalz - Karamell
 
Den Backofen auf 175°C vorheizen und ein Backpapier auf ein Backblech legen.
Als erstes den Baiserboden zubereiten.
Gemahlene Mandeln, Zucker (1) und Mehl in einer Schüssel mischen.
In einer Rührschüssel das Eiweiß zu steifem Schnee schlagen und dabei den Zucker, der mit der Nummer 2 bezeichnet wird, einrieseln lassen.
Die trockenen Zutaten vorsichtig mit einem Silikonspatel unter den Eischnee heben.
Die Masse auf das Backpapier geben und zu einem Kreis mit 26 cm Durchmesser ausstreichen.
Mit gerösteten Mandelstiften bestreuen.
Im heißen Backofen 25 Minuten backen und vor der weiteren Verwendung komplett auskühlen lassen

Für den Biskuitboden den Backofen auf 190°C vorheizen. Den Boden einer Springform mit 26 cm Durchmesser mit Backpapier auslegen.
Die Eier zusammen mit dem Zucker in der Küchenmaschine oder mit dem Handrührgerät, mit dem Schlagbesen versehen, sehr luftig aufschlagen (ca. 10 Minuten).
Das Mehl darauf sieben und sehr vorsichtig unterheben. Die Zutaten sollen nur gerade so eben eingearbeitet sein. Die Butter dazu gießen und ebenfalls so kurz wie möglich durch Unterheben einarbeiten.
Im Backofen auf der untersten Schiene ca. 25 Minuten backen.
Herausnehmen, den Rand lockern und zum Abkühlen auf ein Kuchengitter stürzen.
Für die gekochten Äpfel die Butter bei kleiner Hitze in einem kleinen Topf schmelzen.
Apfelwürfel zugeben und einige Minuten braten, bis sie langsam weich zu werden. Dann Zucker und Vanille einrühren, die Temperatur erhöhen und die Würfel bei starker Hitze leicht anbräunen/karamellisieren lassen. Von der Hitzequelle nehmen und beiseite stellen
Für die rohen Äpfel das Apfelpüree mit dem Zucker  vermischen und anschließend die eingeweichte Gelatine zu einem Drittel des Pürees geben. Mit dem Pürierstab gründlich durchmixen, dann zum restlichen Püree geben und gut mischen.
Dieses Püree zu den noch ziemlich warmen Äpfeln geben (dabei löst sich die Gelatine auf), gut verrühren und anschließend die rohen Apfelwürfel unterheben.
Abkühlen lassen und dann auf dem Biskuitboden kreisförmig ausstreichen, dabei einen Rand von ca. 2 cm frei lassen. Im Kühlschrank fest werden lassen.

Für die Karamellsahnecreme zuerst das Meersalz-Karamell herstellen.
Dazu die Sahne erwärmen und die Vanille darin 30 Minuten ziehen lassen.
In einem kleinen Topf Zucker und Glukosesirup mischen. Dann nicht mehr rühren und soweit erhitzen, bis sich langsam ein goldbraunes Karamell bildet.
Weitererhitzen, bis sämtlicher Zucker geschmolzen ist und bernsteinfarbig ist. Nicht aus den Augen lassen, zu schnell hat man nur noch schwarze Kohle!
Dann sofort von der Hitzequelle ziehen. Die Sahne vorsichtig einrühren (schäumt stark auf und spritzt eventuell). Die Butter Würfel für Würfel zusammen mit dem Meersalz unterrühren, bis alles homogen ist.
Zum Abkühlen beiseite stellen.
 Dann kann die Karamellsahnecreme hergestellt werden.
Crème Double zusammen mit der Vanille in einer Rührschüssel mit dem Schneebesen locker aufschlagen. Davon ungefähr ein Drittel unter das abgekühlte, aber noch weiche Meersalz-Karamell rühren. Diese Masse dann wiederum zur steif geschlagenen Crème double geben und vorsichtig unterheben.
 
Für den restlichen Zusammenbau den gekühlten Biskuitboden mit der Apfelfüllung bereitsstellen.
Dann 2/3 der Karamellcreme in einen Spritzbeutel mit Lochtülle füllen und Kugeln rund um das Apfelkompott aufdressieren. Das zurückbehaltene Drittel Creme auf die Apfelkompottscheibe geben und glatt streichen.
Den Baiserboden aufsetzen und leicht andrücken
Die Oberfläche habe ich mit noch mehr Karamellcremetupfern dekoriert und das übrige Meersalzkaramell darübergeträufelt.
 
Und weil doch eindeutig identifizierbar eine Torte am Ende herausgekommen ist, schicke ich sie noch schnell zu Yushka und ihrem Jahresevent "Calendar of Cakes" rüber.

Kommentare:

  1. Also ich finde deinen Rettungsversuch sehr gelungen. Wenn einem so viel Unvorhergesehenes dazwischen kommt, dann ist es doch noch ein Wunder,das du so etwas Gutes "nebenbei" zaubern konntest! Die "echte" Frivolitée kann ich allerdings auch sehr empfehlen. :-) Ich hätte ja noch Apfelkompott da, vielleicht backe ich sie noch einmal am Wochenende...
    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Danke Eva. Ich starte auf jeden Fall nochmal einen Versuch. Vielleicht auch mit gekochtem Apfelkompott, ich habe die rohen Äpfel püriert und das war irgendwie verhältnismäßig trocken.
      Liebe Grüße,
      Barbara

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  2. Also ich finde deine Torte toll, auch wenn du so viele Widrigkeiten zu "bekämpfen" hattest. ;-) Oft ist die weniger aufwendige, praktischere Version ohnehin am besten. ;-)
    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Auch dir ein Danke. Und du hast recht, manchmal darf man auch gerne eine Abkürzung nehmen und kommt trotzdem zu einem leckeren Ergebnis. Bei meinen Mädels müsste es sowieso meistens keine tolle Torte sein, denen ist ein stinknormaler Marmorkuchen am liebsten ;-)

      Liebe Grüße,
      Barbara

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  3. Oh, Barbara! Du Arme! Wie ich das kenne! Bei mir läuft es oft (wenn auch nicht ganz so dramatisch) ähnlich ab. Irgendwie nehme ich mir wohl immer zu viel vor, oder ich plane falsch, oder es stehen irgendwelche Leute vor der Tür. Selten hat man so richtig Ruhe. Und dann noch die Dinge, die schief laufen ...
    Eigentlich erstaunlich, dass man trotz aller Widrigkeiten, dann doch so etwas Tolles, wie du deine Apfeltorte auf den Tisch zaubert. Sei stolz auf dich, dass du es trotz so vieler Hindernisse so genial hinbekommen hast! Und irgendwann ... wenn mal die Mädels bei der Freundin spielen und dein Mann Sportschau guckt ... dann legst du nochmal los ;-) !
    Ganz liebe Grüße
    Maren

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    1. Na dann bin ich aber erleichtert, dass es nicht nur mir so geht. Deine Torten sehen immer so perfekt aus, da denkt man nicht, dass bei dir auch mal was schief geht :-)
      Und es wird bestimmt nochmal einen zweiten Versuch geben!

      Liebe Grüße,
      Barbara

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  4. Vielen Dank für deinen Beitrag zum Calendar of Cakes im April! So was hat mein Ritter auch schon versucht - während ich in der Küche stand, wollte er neue Glühbirnen in die Decke einschrauben. Männer!!!
    Ist es nicht so, dass man für dieses Rezept sowohl gekochte, als auch rohe Äpfel verwenden soll? Wahrscheinlich, damit das Innere sowohl saftig schmeckt, als auch dann noch ein bissel Biss hat? Die Torte sieht auf jeden Fall immer noch sehr ansprechend aus - toll, wie du in der Situation dann noch gerettet hast, was zu retten war... ;)
    Viele liebe Grüße,
    Yushka

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